Ein persönlicher Erfahrungsbericht + praktische Tipps für Eltern
Weihnachten kann zauberhaft sein.
Und gleichzeitig emotional herausfordernd – besonders für Kinder.
Denn rund um Geschenke, Adventskalender & besondere Erwartungen liegt viel Spannung in der Luft.
Heute Morgen hatten wir eine dieser Situationen, die einen als Mama kurz atemlos machen.
Eine dieser Situationen, die zeigen:
Kindergefühle halten sich nicht an die perfekte Weihnachtsstimmung.
Und das ist auch gut so.
Unser Morgen: Ein Adventskalender und eine große Enttäuschung
Mein Sohn hatte sich dieses Jahr „nur Süßigkeiten“ gewünscht.
Ein klarer Wunsch, kein Stress, kein Aufwand.
Am 1. Dezember hatte ich dennoch eine kleine Überraschung eingepackt – ein Kuschel-Schlüsselanhänger in Form eines Capybaras.
Ein Bonus.
Er fand ihn toll. So richtig toll.
Vielleicht hat das seine Erwartung größer gemacht, als mir bewusst war. Obwohl ich gesagt hatte, dass das Geschenk eine Ausnahme ist und jetzt nicht jeden Tag ein Kuscheltier im Adventskalender auf ihn wartet. Trotzdem wurde da in ihm der Gedanke gesät: manchmal sind aber auch richtig richtig schöne Dinge für mich drin.
Ein paar Tage später war dann ein kleiner Holz-Schildkröten-Weihnachtsanhänger im Türchen (plus Süßigkeiten).
Ich fand ihn wirklich süß – und mein Sohn geht in die Schildkrötenklasse, also auch echt passend. Ich fragt ihn dann: „Und, was war heute im Adventskalender?“ Seine Antwort: „Holz…“.
Und dann begann ein langer, trauriger Morgen.
Gefühle begleiten – auch wenn es nicht in den Zeitplan passt
Er war enttäuscht, traurig, frustriert weil er das kleine Geschenk nicht mochte. Das Schlimmste für mich war, dass er sich nicht trösten lassen wollte.
Als erstes habe ich seine Gefühle benannt und Verständnis geschenkt: „Du bist enttäuscht, weil du dir etwas Cooleres erhofft hattest. Du bist ein bisschen traurig, dass du dich heute nicht über das Geschenk freuen kannst. Das ist ok, du darfst traurig und enttäuscht sein. Ich hab auch schon Sachen bekommen, die ich nicht mochte. Das ist wirklich ok.“
Aber er ist leider nicht auf meine Verbindung eingegangen, sondern war weiter in seinem Film „Heute ist alles doof“. Er wollte nicht frühstücken, nicht mit mir reden und auch am liebsten gar nicht mehr zur Schule.
Also habe ich versucht ihn mit Humor zu kriegen und habe mit lustiger Stimme mit der Holz-Schildkröte gesprochen und bin die ganze Zeit bei ihm geblieben.
Aber er wollte traurig bleiben.
Bewusst.
Und dann fiel der Satz, der mich mitten ins Herz traf:
„Mama, jetzt bin ich auch noch sauer auf mich, weil ich dich traurig mache.“
Ich bin sofort direkt runter auf seine Augenhöge gegangen und habe gesagt:
„Du machst mich nicht traurig.
Du bist nicht verantwortlich für meine Gefühle.
Und es ist völlig okay, dass du enttäuscht bist.“
Denn das ist so wichtig:
👉 Kinder dürfen enttäuscht sein – auch an Weihnachten.
👉 Sie müssen uns nicht glücklich machen.
👉 Sie sind keine Stimmungsmanager der Familie.
Aber wir hatten Zeitdruck…
Frühstück, Zähneputzen, Anziehen, Schulweg. Irgendwann musste ich konsequent sein und ihm widerwillig helfen rechtzeitig zur Schule zu kommen. Auch dies immer sehr liebevoll aber klar: „Ich weiß, dass du das gerade nicht möchtest, aber mir ist es wichtig, dass du morgens deine Zähne putzt, dass du pünktlich in der Schule bist. Ich bin deine Mama und ich helfe dir jetzt, dass wir das alles rechtzeitig schaffen.“
Er musste dann leider mit seinen blöden Gefühlen in die Schule.
Auch das passiert in bindungsorientierten Familien.
Wie wir es am Nachmittag gelöst haben – und wie du dein Kind langfristig stärken kannst
Ich wollte das Thema unbedingt noch einmal besprechen. Nicht, um es „abzuhaken“, sondern um zu verstehen, was in ihm eigentlich los war.
Als ich ihn von der Schule abholte, fragte ich vorsichtig:
„Magst du, dass wir später nochmal darüber sprechen? Ich habe das Gefühl, da steckt noch was drin.“
Er antwortete sofort:
„Nein. Ich will nicht wieder traurig werden.“
Ich akzeptierte das und sagte nur:
„Okay. Ich warte, bis du bereit bist. Aber heute reden wir nochmal – ganz in Ruhe.“
Es brauchte Zeit.
Kinder brauchen Zeit.
Und irgendwann kam er von selbst zu mir, setzte sich neben mich und sagte leise:
„Jetzt geht’s.“
Das Gespräch, das dann folgte, war für uns beide wichtig.
Ich erklärte ihm ganz ruhig:
„Du hast dir einen Adventskalender nur mit Süßigkeiten gewünscht – und das hast du auch bekommen. Alles, was zusätzlich drin ist, ist ein Bonus. Manchmal ist der richtig cool, manchmal ist er okay, manchmal mag man ihn vielleicht weniger.“
Er nickte.
Langsam.
Nachdenklich.
Ich sagte weiter:
„Es ist total normal, dass man enttäuscht ist, wenn man sich etwas anderes erhofft hat. Das Gefühl darf da sein. Aber es hilft uns nicht, wenn es uns den ganzen Morgen kaputt macht. Dann hat das Geschenk plötzlich viel mehr Macht, als es haben sollte.“
Und dann fragte ich:
„Was hätte dir heute geholfen? Was hätte ich tun können?“
Er überlegte lange. Dann:
„Vielleicht… vielleicht könnte ich’s einfach nochmal versuchen. Morgen. Und wenn es wieder nicht klappt, dann machen wir’s nach der Schule auf.“
Das war SEIN Vorschlag.
Seine Idee.
Sein Schritt aus der Ohnmacht heraus.
Das wurde zu unseren gemeinsamen Lösungen:
1️⃣ Er probiert am nächsten Tag bewusst, anders mit dem Türchen umzugehen.
Und tatsächlich:
Er öffnete es neugierig – ohne Erwartungsdruck – und war vollkommen okay damit, dass diesmal nur Süßigkeiten drin waren.
Ein kleiner, großer Erfolg.
2️⃣ Wenn die Enttäuschung morgens zu groß ist, öffnen wir den Adventskalender nach der Schule.
Ohne Drama. Ohne Scham. Ohne schlechtes Gewissen.
3️⃣ Wir führen weiterhin kurze „Erwartungsgespräche“.
Zum Beispiel:
„Weißt du noch, was du dir gewünscht hast? Und weißt du noch, dass es Überraschungen sind? Lass uns schauen, was heute drinsteckt – und nicht, was drinstecken sollte.“
Das nimmt unglaublich viel Druck raus.
Wie du dein Kind schon vor Weihnachten auf Enttäuschungen vorbereiten kannst
Inspiration aus der Psychologie und meinem Superlöwen-Coaching:
1. Sprecht über den Zauber von Weihnachten – nicht nur über Geschenke
Ein Gespräch könnte so aussehen:
„Weißt du, Weihnachten bedeutet für mich vor allem:
Jemand hat sich Gedanken gemacht.
Jemand wollte dir eine Freude machen.
Und manchmal ist die Freude groß, manchmal klein – aber sie ist echt.“
Das verändert den Fokus.
2. Erwartungsmanagement ist keine Spielverderberei – sondern emotionale Vorbereitung
Zum Beispiel an einem Abend vorher:
„Morgen ist wieder ein Türchen dran.
Vielleicht ist etwas drin, das du toll findest.
Vielleicht etwas, das dir nicht so gefällt.
Und beides ist okay.
Weißt du, was wir dann machen können?“
Oder für Weihnachten selbst. Spielt in Rollenspielen, dass ihr Geschenke bekommt, die ihr nicht mögt und dann zeigt als Vorbild, wie ihr damit umgeht. Zum Beispiel „Oh, das ist ja eine interessante Blumenvase liebe Oma. Da hast du dir bestimmt viele Gedanken gemacht um diese für mich auszusuchen. Leider gefällt mir sie so gar nicht. Aber ich finde es super lieb von dir, dass du dir so eine Mühe gegeben hast. Möchtest du die Vase vielleicht selbst bei dir aufstellen?“
So wird Enttäuschung nicht zum Kontrollverlust, sondern zu einem Teil des Lebens, mit dem man umgehen kann.
3. Kindern helfen, Erwartung und Hoffnung zu unterscheiden
Kinder erhoffen oft etwas, das sie nie ausgesprochen haben.
Das ist menschlich.
Du könntest sagen:
„Manchmal malt sich unser Kopf etwas Bestimmtes aus – aber Überraschungen sind anders gedacht. Sie dürfen dich überraschen, auch wenn es nicht immer dein Lieblingsding ist.“
4. Dankbarkeit nicht erzwingen – sondern ermöglichen
Kinder lernen Dankbarkeit nicht durch Appelle („Sei dankbar!“),
sondern durch Perspektivwechsel:
„Was glaubst du: Warum hat jemand gerade dieses Geschenk ausgesucht?
Was könnte schön daran sein?
Was ist trotz Enttäuschung heute gut?“
Das ist Dankbarkeit auf Augenhöhe.
5. Wenn dein Kind enttäuscht bleibt – begleite weiter statt „wegzumachen“
Ein Satz, der Wunder wirkt:
„Deine Enttäuschung darf bleiben – aber sie muss nicht den ganzen Tag bestimmen.
Wir schauen, wie du wieder rauskommst. Zusammen.“
Nicht wegdrücken.
Nicht kleinreden.
Nicht beschämen.
Nur begleiten.
Bei uns hilft da ganz oft Humor: ein Witz, gerne auch ein Stolpern meinerseits, was meinen Sohn oft zum Lachen bringt (dieser kleine Schadenfreude-Frechdachs!) oder auch Musik: ein Lied zu dem alle mittanzen oder singen können hebt ganz oft automatisch die Stimmung.
Fazit: Weihnachten muss nicht perfekt sein – um wertvoll zu sein
Dieser Morgen hat mir wieder gezeigt:
✨ Kinder lernen an Weihnachten nicht nur Freude – sondern auch Erwartung, Enttäuschung, Selbstregulation und Verbindung.
✨ Unsere Aufgabe ist nicht, perfekte Gefühle zu erzeugen, sondern echte.
✨ Enttäuschung gehört dazu – und macht Kinder langfristig stark.
Die kleine Holzschildkröte hängt übrigens inzwischen an unserem Baum.
Nicht, weil sie das perfekte Geschenk war.
Sondern weil sie uns an einen Moment erinnert, in dem wir miteinander gewachsen sind.
Und falls du noch auf der Suche nach einem wirklich individuellen Geschenk bist, was du so bestimmt noch nie verschenkt hast… dann schau dir doch gerne mal mein Angebot für persönliche Songs an.
